Papst und Karlspreis

An Christi Himmelfahrt also wird er an Papst Franziskus verliehen – der Karlspreis der Stadt Aachen. Viele Prominente werden sich in Rom einfinden. Europapolitiker und ehemalige Karlspreisträger werden sich anhören, was der Papst ihnen zu sagen hat. So wollten es die Initiatoren. Sie wünschten sich einen Preisträger, der den Verantwortlichen in Europa „die Leviten liest“.

In der Verleihung des Preises an den Papst, der meiner Meinung nach diesen Preis besser nicht angenommen hätte, kommt die Sehnsucht Europas nach einem „starken Mann“ zum Ausdruck, eben jener Figur von unantastbarer Autorität. Das Oberhaupt einer Institution, die sich auf eine göttliche Ordnung beruft, hierarchisch verfasst ist und im Konflikt mit der Demokratie steht, soll nun die wahren europäische Werte postulieren und einen Beitrag zur politischen Zukunft Europas leisten.

Das wird ihm wohl kaum gelingen, aber das dürfte weniger an ihm liegen. Er dient nur als Kulisse für die Gruppe derjenigen, die sich zerstritten und uneins über die Zukunft Europas präsentiert. Es wird ihn nicht geben – den Auftakt zu einer Debatte über die Vereinigten Staaten von Europa. Eine Debatte die dringend geboten wäre.

Stattdessen bestätigt das Ereignis auf subtile Weise den wachsenden Wunsch nach autoritären Regierungsformen in Europa, wie er von verschiedenen Studien nachgewiesen wird. So ist fast jeder dritte Deutsche der Ansicht, dass ein „starker Mann“ an der Spitze gebraucht werde, der sich nicht um Parlament oder Wahlen schert. In Großbritannien und Frankreich sind mehr als 40 Prozent dieser Ansicht. In Ländern wie Portugal oder Polen liegt dieser Anteil sogar bei mehr als 60 Prozent.

http://www.aachener-nachrichten.de/dossier/karlspreis/revolutionaer-gegen-traegheit-und-feigheit-europas-1.1254538

Religionen und Demokratie: Keine natürliche Symbiose

 

 

 

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Verlegenheit

Papst Franziskus wird 2016 den Karlspreis der Stadt Aachen erhalten. Mit diesem Preis werden seit 1950 jährlich Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet, die sich um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben. Nun scheint aber angesichts der Krise der Europäischen Union diese Spezies immer schwieriger zu finden zu sein. Im letzten Jahr konnte man mit Martin Schulz, als Parlamentspräsident, noch einen aus dem Kerngeschäft küren, aber in diesem Jahr wurde es eng. Wohl kaum ein europäischer Politiker oder eine europäische Institution, die nicht polarisiert hätte. Kaum vorstellbar, den Preis heute an einen osteuropäischen Regierungschef zu verleihen oder an die Grenzschutzagentur Frontex. Dabei ließen sich für beide Optionen durchaus Gründe finden.

So lag es unter diesen Bedingungen nahe auf Papst Franziskus zurückzugreifen, zumal dieser am 25. November 2015 eine nachdenkliche Rede vor dem Europaparlament gehalten hat. Er war es auch, der zu Beginn seiner Amtszeit dem europäischen Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer die ihm gebotene Aufmerksamkeit gab mit seinem Besuch auf Lampedusa, er erinnert Europa an seine Werte und prangert Europas mörderische Wirtschaftspolitik an. Inhaltlich, so mag man urteilen, ist er daher kein schlechter Preisträger. Und doch wird dieser Preisträger zur Projektionsfläche der Politik um vor ihrer Verantwortung abzulenken – sei es in Fragen des Klimawandels oder Europas. Ganz unproblematisch ist sicher auch aus europäischer Sicht nicht, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche ausgezeichnet wird, wo doch die Frage des Miteinanders verschiedener Religionen eine Zukunftsfrage Europas ist.

Ich frage mich, ob es nicht glaubwürdiger gewesen wäre, angesichts der europäischen Lage in diesem Jahr einmal den Preis nicht zu verleihen. Als ein Zeichen, ein Moratorium. Ein Hinweis darauf, dass die europäische Idee zur Ideologie zu geraten droht – da wo keine solidarische Flüchtlingspolitik möglich ist, wo Banken und Konzerne auf Kosten von Menschenrechten und Sozialem den Euroraum gestalten.

 

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/karlspreis-an-papst-franziskus-peinlich-13982701.html

Gebraucht

In mehreren Veranstaltungen haben sich die Aachener Theologen an der RWTH und das Bistum Aachen mitWelt-Macht-Kirche“ auseinandergesetzt. Bei einer Podiumsdiskussion am 26. Januar wurde nun Bilanz gezogen. Gesprächspartner waren der Aachener Weihbischof Johannes Bündgens und die Redaktionsleiterin der Zeitung Christ und Welt, Christiane Florin. Große Erkenntnisse brachte diese Abschlussrunde nicht – im Unterschied zu den guten Veranstaltungen der gesamten Reihe.

Die wohl interessanteste Frage des Abends kam von den Studierenden: Warum braucht es die Kirche noch in einer modernen Gesellschaft? Die pragmatische Antwort von Frau Florin lautete, dass 24 Mio. Katholiken in Deutschland der Meinung sind, dass man die Kirche brauche. Sie brauchen sie als ihren eigenen Raum, denn glauben geht nicht alleine . Und man braucht sie, weil durch sie die Gottesfrage wachgehalten wird, denn es mache schließlich einen Unterschied, ob es Gott gibt oder nicht.

Bischof und Journalistin sind sich einig, dass es die Kirche brauche im Widerstand gegen die Macht des Marktes, den wissenschaftlichen Machbarkeitswahn und die Absolutsetzung des Menschen. Gut, dass Frau Florin zum Schluss erwähnte, dass das mit Kant auch alles begründbar wäre.