Ohne Worte

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Heimat

Die Rede von „Heimat“ ist wieder en vogue und das nicht erst seit der Flüchtlingskatastrophe an den europäischen Grenzen. War vor Jahren noch der Aufbruch ins Zeitalter der Globalisierung mit vielfältigen Hoffnungen verbunden, so scheint sich der Geist gedreht zu haben und Heimat wird zur Kategorie für ein gelungenes Leben.

Anfang der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts war das Thema eher out. Im Osten war man froh, endlich reisen zu können, und die europäische Vereinigung hatte ganz neue Räume geschaffen. Nun scheint der Hype der Globalisierung vorbei. Inzwischen betrachtet man eher den Preis und die Risiken, die damit einhergehen. Das Gefühl der Überforderung bei den Einzelnen korrespondiert mit nationaler Abschottung, neuen Kriegen, globalen Ängsten und Ohnmacht. „Schöner Wohnen“ – das eigene kleine Reich boomt. Ein Rückzug, der schnell vergessen lässt, dass die Rede von „Heimat“ nicht nur in Deutschland mit national-aggressivem Gedankengut verbunden ist.

Dabei ist es schwierig zu beschreiben, was Heimat eigentlich ist. Sind es Orte, Kindheitsorte, Orte des Glücks? Sind es Beziehungen oder Erlebnisse von Vertrauen, Geborgenheit, Sicherheit? Ist es der Dialekt? Sind es Gerüche oder die Küche?

Heimat jedenfalls ist nicht selbstverständlich. Sie ist etwas, was man verlassen kann, manchmal auch verlassen muss. Und: Heimat ohne Aufbruch bleibt bei sich selbst, ist sich selbst genug, empfindet Neues womöglich nicht als Bereicherung, sondern als Bedrohung.

Heimat ist Nichtort, Heimat ist Utopie. Dieser Gedanke von Bernhard Schlink liegt der Ausstellung „Heimat – vertraut und fremd“ von Brigitte Erm und mir, die vom 1. Dezember 2015 bis 10. Januar 2016 in der Aachener Citykirche gezeigt wird, zugrunde.

http://heimatausstellung.de