Versuchung

 

Nach dem Wahlerfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden- Württemberg und Sachsen-Anhalt sehen sich auch die Kirchen zur Debatte mit der Partei herausgefordert. Es scheint, dass ignorieren nicht mehr geht, unklar jedoch ist, wie eine Auseinandersetzung geschehen soll. Soll man mit Vertretern der AfD reden oder gar Kontakt zur Bundesvereinigung „Christen in der AfD“ suchen? Deren Bundessprecherin Anette Schultner jedenfalls schlägt schon einmal eine Richtung vor: „Viele von der CDU enttäuschte Christen haben in der AfD eine politische Heimat gefunden. Sie stammen aus der Mitte der Gesellschaft“. War der Schritt, Politiker der AfD nicht zum Katholikentag in Leipzig zuzulassen, der richtige?

Bevor die Kirchen in ein Gespräch mit der AfD oder deren Positionen eintreten, kommen sie nicht um eine Selbstvergewisserung umhin. Natürlich gibt es eklatante Widersprüche zwischen dem Rechtspopulismus der Partei und dem christlichen Menschenbild, aber es gibt eben auch Berührungen mit kirchlichen Positionen. Somit gilt es den eigenen Standpunkt zu klären. Ordnungsrufe, wie Anfang des Jahres von Erzbischof Schick, sind ein wichtiges Signal, gehen aber an der Wirklichkeit vorbei, dass Christen die AfD guten Gewissens und aus Überzeugung wählen.

Dass eine solche Partei für Christen attraktiv ist, sollte daher der Ausgangspunkt einer kircheninternen Debatte sein. Das wird nicht leicht, denn auch in den Kirchen wird die Polarisierung stärker. Früher war doch alles besser – oder? Die Kirchen werden nun erneut von ungeklärten Fragen, wie z.B. ihrem Verhältnis zu Pluralismus, Demokratie und Zivilgesellschaft eingeholt. Ist eine plurale, demokratische, liberale und offene Gesellschaft wirklich ein Leitbild kirchlichen Handelns?

 

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/s-p-o-n-der-kritiker-staerke-und-ordnung-egal-wie-a-1083037.html

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Ein Gedanke zu “Versuchung

  1. Auch wenn es mir im Innersten widerspricht, glaube ich, dass wir mit einer „AfD-Rechts-Liegenlassen-Mentalität“ nicht weiterkommen. Ich plädiere also für einen gerichteten Dialog, der aber unbedingt von Personen begleitet werden muss, die sich außerhalb der Tagespolitik befinden, die eine dezidiert andere (als die AfD-) Meinung vertreten und die in der Lage sind, Rechtspopulismus zu enttarnen. Entsprechende Personen zu finden, die ein solches Profil aufweisen und in Kirchenkreisen akzeptiert sind, wird nicht ganz einfach sein.

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