Polen

„Die katholische Kirche unterstützte vor 20 Jahren den Widerstand gegen das kommunistische Regime: Sie trug zu seinem Zusammenbruch bei und verteidigte die nationale Identität Polens. Heute hält die katholische Kirche in Polen an konservativen Mustern fest und verfolgt eigene politische Ziele.“ Mit diesen Worten leitete die Bundeszentrale für Politische Bildung 2009 ihr Dossier über Polen ein.

Heute 2016 erreichen uns Meldungen aus Polen, dass Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung eingeschränkt wurden und die Medien auf eine staatliche Einheitslinie gebracht werden. Der Ausspruch von Papst Johannes Paul II, dass der Kommunismus genauso gefährlich sei wie die moderne, westliche liberale Demokratie, bekommt eine bedrückende Aktualität. Er zeigt, dass der Widerstand gegen den Kommunismus und die Unterstützung der aktuellen Regierung demselben Denken entspringen.

So hat das neue Regime in Polen eine altbewährte machtvolle Stütze: Die katholische Kirche. „Das Fundament des Polentums sind die Kirche und ihre Lehre“, so der Parteichef von „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS), Jaroslaw Kaczynski. Er hat den in volkstümlichen Kreisen mächtigen reaktionären katholischen Radiosender Maryja hinter sich, der sich inzwischen ein umfangreiches Medien-Imperium zugelegt hat und dessen zentrales Anliegen der Kampf gegen die liberale Demokratie und ihre „Auswüchse“ ist. „Ohne Radio Maryja hätte PIS die Wahl nicht gewonnen“, so Jaroslaw Kaczynski.
Zwar gab es immer wieder Versuche von einigen polnischen Bischöfen gegen das Maryjaimperium vorzugehen, unterstützt sogar von der Ordensleitung der Redemptoristen und dem Vatikan – aber ohne Erfolg. Ein Kurswechsel ist nicht festzustellen. Im Gegenteil. Roland Düker beobachtet, dass in Polen eine „eine kulturelle Säuberung stattfindet“. (Die Zeit“, 20.Dezember 2015)
Es ist ein wichtiger Schritt, dass die Europäische Kommission nun ein Verfahren gegen Polen einleitet und dass der Protest gegen die Regierungspolitik wächst. Es ist aber auch Aufgabe der katholischen Kirche ihren Kurs endlich zu ändern. Sie muss sich pluralisieren und koalitionsfähig werden mit verschiedenen gesellschaftlichen Lagern.

Gerade aufgrund der belasteten deutsch-polnischen Geschichte darf es der deutschen Kirche nicht gleichgültig sein, was zur Zeit in Polen geschieht. Die Kirchen haben nach dem Zweiten Weltkrieg viel zur Annäherungen der beiden Staaten beigetragen, dennoch sind die Beziehungen immer noch belastet durch die brutale Gewalt der Deutschen in Polen und dadurch ausgelöst der Flucht und Vertreibung. Zur inneren Differenzierung und Pluralisierung der polnischen Kirche beizutragen und die Kräfte zu unterstützen, die für eine weltoffene Kirche und ein handlungsfähiges Europa eintreten, ist daher eine dringende Aufgabe.

http://www.zeit.de/2015/51/polen-pis-andrzej-duda-konservativen-widerstand
http://www.domradio.de/themen/weltkirche/2015-12-07/kaczynski-dankt-kirchensender-fuer-wahlsieg-polen
http://www.bpb.de/internationales/europa/polen/40758/religion-und-politik
http://religionsphilosophischer-salon.de/keys/die-demokratie-retten-in-polen-2015

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/die-polen-ihre-kirche-und-die-politik

 

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