Pfingsten

Gottes Geist scheint zu wirken – das Christentum wächst weltweit. Dieses Wachstum geht in der Hauptsache auf Pfingstkirchen, charismatische Gruppierungen und evangelikale Bewegungen zurück. Diese Form des Christentums nimmt an vielen Stellen der Welt mit einer erstaunlichen Dynamik zu. Die Mitgliedschaft der Pfingstkirchen liegt je nach Schätzung zwischen 400 – 600 Millionen.

Gerade in einer Zeit fragwürdig gewordener Glaubensgewissheiten ist Pfingsten ein gefährliches Kirchenfest und dies nicht nur weil die Geist begründete Glaubenspraxis die etablierten Kirchen mit ihren Traditionen und festgelegten Strukturen in Frage stellt.

Pfingstkirchen sind Ausdruck einer konfessionsübergreifenden Veränderung des religiösen „Stils“. Hier geschieht, wie Heinrich Schäfer 2008 für den Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung es analysiert, eine „innere Umstrukturierung der christlichen Religion“.

Das Phänomen des Pentekostalismus ist inzwischen weltweit zu einer Bewährungsprobe für das „Ankommen“ der katholischen Kirche in der Moderne geworden. Nicht nur sie, sondern alle etablierten Kirchen sind herausgefordert das Gespräch mit den Pfingstgemeinden zu suchen und in einem guten ökumenischen Geist auch ein kritisches Bewusstsein in der Pfingstbewegung entwickeln zu helfen, vor allem angesichts der Gefahr religiösen „Wildwuchses“ und missbräuchlicher fundamentalistischer Bibeldeutungen in einigen evangelikalen Gemeinden und neuen neopentekostalen Kirchen, vor allem den „Mega-Churches“. (Margit Eckholt)

Der kürzlich verstorbene deutsche Soziologe Ulrich Beck betonte in seinen Ausführungen über die Friedensfähigkeit und das Gewaltpotential der Religionen am Beispiel der USA , welche Auswirkungen diese Grundhaltung für den christlichen Glauben hat. „Herausragende Religionswissenschaftler, die an verschiedenen großen US-Universitäten lehren, wurden sogar Objekt von Todesdrohungen, weil sie psychologische, soziologische oder anthropologische Interpretationen für religiöse Texte herangezogen haben. In den dramatischsten Fällen bestanden die Verteidiger des Glaubens darauf, dass nur „wahre Glaubende“ qualifiziert seien, ihre religiöse Tradition zu lehren.“(215)

Pfingsten sollte daher als ein Fest der Verständigung und des Zweifels gefeiert werden, denn dieser dient der Vitalisierung des religiösen Lebens in einer Zeit der Fragwürdigkeit des Glaubens. Es ist dann weniger ein triumphales Gründungsfest der Kirche, sondern die Einladung, die Welt aus humaner christlicher Perspektive mitzugestalten.

Lesetipp:

Ulrich Beck, Der eigene Gott. Friedensfähigkeit und Gewaltpotential der Religionen, Frankfurt 2008

http://www.stimmen-der-zeit.de/zeitschrift/archiv/beitrag_details?k_beitrag=3849150&query_start=2&k_produkt=3850412

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