Freiheitstag

Heute am 5. Mai ist der wichtigste Feiertag in den Niederlanden. Der Bevrijdingsdag. Es ist ein Tag der Erinnerung an das Kriegsende und der Dankbarkeit gegenüber den Alliierten.

In Margraten, wo 3300 amerikanische Soldaten begraben sind, werden die Gräber mit Bildern versehen. Die Toten sollen ein Gesicht bekommen. Und auch für einen selbstkritischen Blick auf die eigene Geschichte ist Raum an diesem Tag. So finden sich in Tageszeitungen nachdenkliche Portraits von Kindern, deren Eltern Mitglied in der Nationaal-Socialistische Beweging (NSB) waren.

Neben die Erinnerung tritt zunehmend ein Nachdenken über die Bedeutung von Freiheit für die Niederlande. Kommentatoren und Feuilletonisten beschäftigen sich mit dem gesellschaftlichen Wert der Freiheit. Es ist eine brennende Frage angesichts von wachsenden innergesellschaftlichen Konflikten, zunehmender Überwachung der Bevölkerung, steigendem Terrorrisiko und dem Abweisen von Freiheitssuchenden an den Landesgrenzen bzw. ihrem Sterben an der EU-Außengrenze.

In Deutschland ist Freiheit das zentrale Thema des Bundespräsidenten. Die Personalisierung aber schafft noch keine gesellschaftliche Debatte. Demokratien brauchen, das zeigt das Beispiel der Niederlande, nationale Feiertage, die nicht nur rückwärts gerichtet sind, sondern die eigenen Grundwerte neu durchbuchstabieren. Ein Freiheitstag könnte auch in Deutschland Anlass bieten, sich mit den faulen Kompromissen in Sachen Freiheit zu beschäftigen, wo Menschenrechte aktuell verletzt werden, wo eine neue Dimension der Überwachung der Bevölkerung erreicht scheint, wo Handlungsbedarf für die Gesellschaft besteht. Ein solcher Tag könnte aufzeigen, wofür es lohnt als Bürgerinnen und Bürger einzutreten und das miteinander zu feiern.

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4 Gedanken zu “Freiheitstag

  1. Lieber Herr Körber,

    auch ich sehe die faulen Kompromisse in Sachen Freiheit. Ob ein zusätzlicher Feiertag – an dem dann Sonntagsreden gehalten werden – dabei behilflich ist, unsere Probleme mit der Freiheit grundsätzlich anzugehen, wage ich zu bezweifeln. Gute Rhetorik ist schön, rettet aber keinem nach Freiheit suchenden Flüchtling das Leben.
    Ich habe Anfang des Jahres ein knapp zweijähriges Mädchen beerdigen müssen, das gewaltsam um sein kurzes Leben gebracht wurde. Bei der Vorbereitung des Trauergottesdienstes und der Beerdigung ist mir das Thema „Freiheit“ nochmals sehr bewusst geworden. Ich glaube, Gott schenkt uns alle Freiheiten dieser Welt. Wir können lieben und töten, streicheln und schlagen, aufbauen und abreißen … .Wir müssen also lernen, wie man mit Freiheit umgeht, wir müssen sie jeden Tag unseres Lebens wertschätzen und sie vorbildlich leben. Ob uns das gelingt?

    Viele Grüße

    Bruno Ortmanns

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  2. Ich weiß nicht, was in den Niederlanden der wichtigste Feiertag ist. Königstag oder der Befreiungstag?
    Allerdings wird am 5. Mai nicht nur die Befreiung von der Besatzung im Jahre 1945 (bzw. November 1944) und sondern auch die Befreiung von den Spaniern im Jahre 1648 gefeiert.
    Die Aktion den Toten Gesichtern zu gegeben finde großartig. Auch der selbstkritsche Blick, auf die eigenen Vertrickungen in das System des Grauens sind an solch einem Tag besonders wichtig, da es auch in den Niederlanden lange Zeit ein Mantel des Schweigens darüber gelegt wurde. Mit Geert Wilders als Vorsitzender der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid (Partei für die Freiheit) ist diese Klientel ja wieder hoffähig gewurden.
    Freiheit gilt nur innerhalbs der Festung Europa und da auch nur für den der Geld bzw. einen guten Job.

    Gruß Ralf

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    1. Hallo Ralf, ich glaube, dass Freiheit nicht nur innerhalb der Festung Europa gilt, sondern dass weltweit Menschen von ihr angetrieben werden. Meiner Ansicht nach brauchen wir Tage, die uns an diesen Wert erinnern und an denen sich unsere Gesellschaft ihre faulen Kompromisse eingesteht – verbunden mit einer Politik gegen Ungerechtigkeit und Unfreiheit.

      Gruß
      Manfred

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