Kirmes

Die Einweihung von Kathedralen war schon im Mittelalter ein Spektakel. Alles hatte nebeneinander Platz: liturgische Feierlichkeit, Wallfahrtsgesindel, Feuerschlucker, Gaukler, Prostitution uvm. Kathedralen waren Prunkbauten zur höheren Ehre Gottes, bezahlt von den Reichen und gebaut von armen Leuten, oft gelegen inmitten von Armut.

Etwas von dieser Tradition lebte auf bei der Einweihung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt – wobei das Gewaltspektakel inakzeptal bleibt. Die nicht nur architektonischen Parallelen zwischen dem Bau religiöser Kathedralen früher und monumentaler Bankgebäude heute liegen auf der Hand. Kathedralenähnlich sind diese Bankgebäude Orte der Manifestation von Macht, Symbole von Herrschaft und Geheimnis – auch wenn sie sich transparent geben, mit viel Glas, aufragenden Türmen und Weitschweifigkeit. Und das bei einer Finanzpolitik, die am Computer geschieht, die immer weniger mit realwirtschaftlichen Prozessen zu tun hat, die fiktional ist. Trotzdem wollen die Mächtigen ihr einen Ort, ein Gesicht geben.

So ist es gut, das sich reale Menschen vor und in Kathedralen versammeln. Sie können sich den Ideen hingeben oder sie sind einfach der lebendige Widerspruch gegen menschenferne religiöse wie politische Ideologien. Sie sind die Realität, denn die Krisen religiöser wie politischer Art müssen diese realen Menschen ausbaden. Aber nur sie sind es auch, die Alternativen entwickeln können.

http://www.zeit.de/kultur/2015-03/ezb-frankfurt-neubau-Architektur

https://explizitnet.wordpress.com/2015/03/14/geld-uberflugelt-religion/

http://www.domradio.de/nachrichten/2015-03-18/bruder-paulus-ueber-blockupy-proteste-frankfurt

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