Prügel

Der Papst hatte den Impuls, sich zur Kindererziehung zu äußern. Wie schon öfter in der letzten Zeit wählte er die Form der Anekdote und lud damit zur Interpretation ein. Er brachte zum Ausdruck, dass Eltern ihre Kinder schlagen dürfen. Dies aber ist in Deutschland verboten. Besonders hier führte der päpstliche Ausspruch zu einer lebhaften öffentlichen Debatte – in anderen Ländern war das kein Thema.

Viel ritualisierte Empörung und Scheinheiligkeit gab es in den deutschen Medien und der Politik zu hören. Martin Zips greift dies in der Süddeutschen Zeitung vom 14./15. Februar auf. In seinem Beitrag versucht er den Grenzgang zwischen dem gesetzlichen Verbot, überforderten Eltern und einer weitgehend tabuisierten gesellschaftlichen Debatte auszuloten. Dieser Drahtseilakt gelingt ihm.

Doch bleibt seine Kritik daran, dass hier der oberste Repräsentant der katholischen Kirche gesprochen hat, seltsam zahm. Der Aufschrei in Deutschland muss letztlich vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals in 2010 und den Gewaltgeschichten in der katholischen Heimerziehung gesehen werden. Zwar hat die katholische Kirche insbesondere im Bereich der Prävention viel getan, dennoch ist die institutionelle Aufarbeitung immer noch ein Thema.

Darauf machen die Opferverbände beharrlich aufmerksam. Solange sie 5 Jahre nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals Grund zur Klage haben und sich institutionell nichts ändert, bleibt jede Form der Aufregung über solche Aussagen des ranghöchsten Kirchenvertreters berechtigt.

http://www.spiegel.de/thema/sexueller_missbrauch_in_der_katholischen_kirche/

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/betroffene-missbrauchsskandale-werden-nur-schleppend-aufgearbeitet-a-1015112.html

http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_politik/article137802560/Bis-die-Kinder-zu-Boden-gingen.html

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