Abendland

Während an vielen Stellen populistische Gedanken über das christliche Abendland geäußert werden, geht der ehemalige Direktor der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen Hans Herrmann Henrix einen anderen Weg. In einem bemerkenswerten Beitrag für das „Pastoralblatt für die Diözesen Aachen, Berlin, Essen, Hildesheim, Köln und Osnabrück“ fragt er nach dem Lernpotential Europas angesichts des Pluralismus der Religionen. Dabei erinnert er an eine Perspektive, die in der gegenwärtigen Debatte unterzugehen droht. Zitat: „Man könnte von (Europa als) einem „Kontinent der Schoa“ sprechen. Das allerdings könnte verstellen, dass das nationalsozialistische Regime Deutschlands Urheber dieses unvergleichlichen Verbrechens war und Europa in dieses Verbrechen hineinzog“. (16) Dass in Europa trotz allem ein christlich-jüdischer Dialog zustande kam, dient ihm als Beleg dafür, dass die europäische Zivilgesellschaft das Potential des philosophisch-theologischen Austauschs und des interreligiösen Dialogs hat. Wie gefährtet dieser Dialog ist, zeigt nicht zuletzt die steigende Zahl von jüdischen Auswanderern aus Europa. Deshalb muss um diesen Dialog immer wieder behutsam vor dem Hintergrund, des von Deutschland – von Christen – ausgehenden Völkermordes gerungen werden. Da bleibt kein Raum für selbstherrliche abendländische Gedanken.

Literaturtipp: Hans Hermann Henrix, Europa und sein Pluralismus der Religionen: ein lernfähiger Kontinent?, in: Pastoralblatt 1/2015, 16-23

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