Unterwerfung

Viel wird diskutiert über den neuen Roman „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq. Er entwirft darin die Vision einer Art Gottesstaat mitten in Europa, denn die Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich im Jahr 2022 gewinnt, aufgrund eines wahltaktischen Manövers, der Vertreter der muslimischen Partei. Von heute auf morgen wird damit alles anders, koschere Lebensmittel verschwinden aus den Supermärkten und die Sorbonne wird von den Scheichs in Saudi-Arabien übernommen. Seiner selbst überdrüssig, ergeben sich Frankreich und irgendwie auch Europa dem neuen religiösen Regime, zumal der neue Präsident ein überaus moderat, humanistisch gesonnener Islamist ist.

In Zeiten von Pegida, nach den Attentaten von Paris, den Aufständen in Niger und Nigeria macht diese Fiktion vielen Menschen Angst. Houellebecq, der sensibel ist für gesellschaftliche Umbrüche und den damit verbundenen Ängsten, verdichtet in seiner literarischen Fiktion das, was in der Religionswissenschaft schon lange diskutiert wird, dass die Aufnahme der Moderne in der muslimischen Welt nicht geglückt und die Vorstellung eines „Islamischen Staates“ anschlussfähig an die Postmoderne ist. Houellebecq gibt dem Diskurs, dass sich das Verhältnis von Politik und Religion, Vernunft und Religion, auch in Europa aufgrund globaler Entwicklungen immer wieder ändern kann, eine breite Öffentlichkeit, nachdem Politik und Medien hier zu lange wenig Interesse zeigten. Er fordert die demokratische Gesellschaft heraus. Zur richtigen Zeit, wie wir gerade schmerzhaft sehen.

Literaturtipp: Hillel Fradkin, Die lange Suche nach dem islamischen Staat, Religion und Politik im Islam und die Dynamik der Gegenwart, in: Friedrich Wilhelm Graf, Heinrich Meier (Hg.): Politik und Religion. Zur Diagnose der Gegenwart, München 2013, 121-161

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